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Thesen zu Innovation

Campusthesen zum Thema „Innovation – Wie kommt das Neue in die Welt“

 §1           Innovation bedeutet vom Wortstamm her, sich den Dingen neu zuzuwenden. Darin steckt die Vorstellung, dass dieses „Neue“ immer schon da ist, aber als solches bislang nicht wahrgenommen wurde.

§2           Voraussetzung dafür, sich den Dingen neu zuwenden zu können ist eine neue Sichtweise. Mit dieser wird der Fokus auf bislang Übersehenes gelenkt – sei es, dass dieses bisher zu klein und unauffällig war oder jenseits der Mainstream-Wahrnehmung lag.

§3           Der Guerilla-Faktor: Eine neue Sichtweise einzunehmen bedeutet, sich gegen den Mainstream zu stellen. Dies erfordert Mut, Ausdauer, eine echte Überzeugung und ebenso ausdauernde Mitstreiter.

§4           Ein entscheidendes Innovationskriterium ist es, wenn Dinge irgendwann von vielen neu gesehen werden. Inwieweit eine Sichtweise tatsächlich „neu“ ist, darüber entscheidet stets ein Kollektiv (beispielsweise der „Markt“). Hier muss eine entscheidende Umbewertung stattfinden (vgl. die Geschichte des Toilettenpapiers). Dieser Prozess lässt sich nur bedingt steuern und braucht häufig längere Zeit.

§5           Innovationen gingen in der Vergangenheit selten auf einen singulären Genius zurück. Was allerdings bemerkenswert ist, ist die Tatsache, dass Innovationen häufig aus einem innovationsfördernden Milieu (Florenz) oder einer außergewöhnlich zusammengesetzten Forschungsgruppe (Curie) hervorgegangen sind.

§6           Innovation ist kein linearer Optimierungs- oder technischer Problemlöseprozess. Die Grundbewegung ist vielmehr die Iteration (Wiederholung/Zirkulation/Spiraldynamik); verworfene Ideen werden wieder aufgegriffen, eingeschlagene Wege hinterfragt, unterschiedliche Elemente immer wieder neu miteinander kombiniert.

§7           Innovation trägt das Risiko des Scheiterns in doppelter Weise in sich:

  1. dass der Innovationsprozess selbst scheitert und zu keinem zufriedenstellenden Ergebnis/Produkt führt.
  2. dass es zwar ein innovatives Ergebnis/Produkt gibt, aber keinen Markt dafür (zum Beispiel, weil das Produkt seiner Zeit voraus war und eine entsprechende Umbewertung noch nicht stattgefunden hat).
  3. Dieses Risiko muss bewusst eingegangen werden.

§8           Innovation braucht Artenschutz. Gerade die Mitglieder eines Teams, die sich mit ihren Ansichten und Verhaltensweise gegen den Mainstream stellen, können zum entscheidenden Innovationsfaktor werden. Dafür braucht es in einer Organisation ein hohes Maß an Toleranz (die Fähigkeit, Heterogenität auszuhalten) sowie eine konstruktive Konflikt- und Fehlerkultur.